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Thoma Michel: Auf großer Fahrt mit dem kleinen Simson - Moped

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SR Geschichten:

Folgende Geschichten rund um das DDR Moped gibt es:

Thoma Michel: Berlin - Kürbitz 
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Berlin - Kürbitz in 4 Tagen

SR im Keller

Ich erzähle Euch hier die Geschichte von meiner Tour mit dem kleinen Moped von Berlin zum 12. SR-Treffen nach Kürbitz. Alles begann bereits vor einem Jahr, als ich durch einen Zufall die Internetseite SR Treffen fand. "So ein Teil hast Du doch auch noch im Keller stehen!" habe ich mir damals gesagt. "Da will ich im nächsten Jahr hin!" Meine SR2E hatte ich 1976 gekauft, dann mit einem Kumpel zusammen rot/schwarz lackiert, bin sie aber nie wirklich gefahren. Damals waren halt andere Mopeds viel attraktiver … all die anderen Zweiräder gibt es inzwischen jedoch nicht mehr, nur die kleine Simson wollte ich nie verkaufen. So fristete sie also ihr Schattendasein in meinem Keller und zog bei jedem Wohnungswechsel brav mit mir um. Nun begab ich mich also nach unten und lüftete die verstaubte Plane.

SR Restauration

SR im Endzustand

Jetzt begann die Arbeit: Alles mußte erst einmal auseinander genommen werden. Es wurde gereinigt, geölt, gefettet, Bowdenzüge und Elektrik wurden neu verlegt. Ich entschloß mich, die Lackierung so zu belassen, es ist zwar nicht original, sieht aber schön aus und gehört ja auch zur Geschichte dieses Mopeds. Der Tank hatte leider total verloren. Es war noch ca. ein Liter 30 Jahre alten Sprits darin, der Rest bestand nur aus einer dicken Rostschicht. Also wurde im Internet ein neuer ersteigert und farblich dem Moped angepaßt. Ich fand sogar einen Lackierer, der die originalen Linien mit Hand nachzeichnete. Nun machte noch die Lichtmaschine erhebliche Probleme, die aber auch nach einiger Zeit behoben waren. Insgesamt dauerte die Bastelei im heimischen Keller mehrere Monate. Begleitet wurde ich dabei von den SR-Freunden aus dem Forum von DDRMoped. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank für die Hilfe in diversen Notlagen! Im Hinterkopf entstand während dieser Zeit so langsam die Idee, die SR nicht nur im Auto nach Kürbitz zu fahren, sondern auf der Straße ins Vogtland zu bewegen. So kam es, daß ich ziemlich genau im August 2007 die Simson so vor mir stehen hatte, daß ich mich auf die große Fahrt trauen konnte.

1. Reisetag - Ludwigsfelde, Zauchwitz und Seyda

1. Reisetag - Ludwigsfelde, Zauchwitz und Seyda

Der Plan war, über vier Tage von Berlin nach Kürbitz zu fahren. Immer schön auf kleinsten Straßen, pro Tag sollten 100 entspannte Kilometer zu machen sein. Am 14. August war es endlich soweit: Vollbepackter Start vor meiner Haustür. Nach ca. 2 Stunden hatte ich den Verkehrshorror der Großstadt endlich hinter mir gelassen, und die eigentliche Fahrt konnte beginnen. So ging es nun langsam über die Landstraßen im südlichen Berliner Umland. Die erste Panne war Gott sei Dank gar keine. Ich hatte in Teltow nach dem Tanken noch Luft auf die Reifen geblasen. Als ich nach einer kurzen Pause weiterfahren wollte, stellte ich nach 100 Metern fest, daß mein Hinterrad vollkommen platt war! Also zurück zur Tankstelle. Es stellte sich heraus, daß die Dichtung in der Ventilkappe verrutscht war und auf das Ventil gedrückt hatte. Der Mantel mußte aber trotzdem herunter, weil sich durch Fahren und Schieben des platten Mopeds Mantel und Schlauch total verschoben hatten. Mein abendliches Ziel Jessen war dann am späten Nachmittag über die Stationen Ludwigsfelde, Zauchwitz und Seyda erreicht. Als entscheidende Schwachstelle des ganzen Unternehmens hatte sich sehr bald mein Hinterteil herausgestellt. Obwohl ich (nicht originalkonform) auf einem gut gefederten Mofa-Sattel unterwegs war, sind die Vibrationen des Motörchens nicht zu unterschätzen!

2. Reisetag - Torgau, Wurzen und Grimma

2. Reisetag - Torgau, Wurzen und Grimma

Am nächsten Morgen startete ich ausgeruht weiter in Richtung Sachsen. Über Torgau, Wurzen und Grimma fuhr ich zu meiner nächsten Station nach Altenburg und befand mich damit schon weit südlich von Leipzig. In Torgau mußte ich die erste Vollbremsung machen. Nein, nicht wegen des Verkehrs! Vor einer Gaststätte stand eine wunderschöne SR2E! Es stellte sich heraus, daß sie dem Gastwirt gehört, und so entspann sich natürlich sofort ein spannendes Gespräch. Torgau und Altenburg können unterschiedlicher nicht sein: Während die Elbe der Stadt Torgau ihr Gesicht verleiht und die wunderschön restaurierte Bastei Besucher anzieht, sieht es in Altenburg noch immer sehr trist aus. Die Fassaden grauer, unbewohnter Häuser beherrschen das Zentrum, und auch das Schloß ist in einem erbarmungswürdigen Zustand.

3. Reisetag - Schmölln, Crimmitschau nach Zwickau

3. Reisetag - Schmölln, Crimmitschau nach Zwickau

Der dritte Tag meiner Tour führte mich über Schmölln und Crimmitschau nach Zwickau. In meiner dortigen Pension durfte ich das Moped durch den Gastraum in den Biergarten schieben, wo es seinen Nachtplatz zugewiesen bekam. Den Abend verbrachte ich bei Livebands und Bratwurst auf dem Stadtfest, das dort gerade stattfand. Für den letzten Tag meiner Tour konnte ich mir nun gehörig Zeit lassen.

4. Reisetag - Greiz, Netzschkau und Plauen

4. Reisetag -  Greiz, Netzschkau und Plauen

So trullerte ich gemütlich über Greiz und Netzschkau in Richtung Plauen. Natürlich durfte eine Besichtigung der Göltzschtalbrücke auf dieser Route nicht fehlen! Am Abend dieses vierten Tages kam ich dann endlich in Plauen bei unserer Pension an. Geschafft! Meine SR2E hat die ganze Reise pannenfrei überstanden! Am Zielort erwarteten mich bereits meine Fans, das heißt Familie und Freunde, die mit Autos und Motorrädern aus Berlin angereist waren. Mein Kumpel von damals, der die SR rot/schwarz lackiert hatte, war auch mit von der Partie! So wurde der Nachmittag gemeinsam auf der Terrasse der Pension genossen, und ich hatte viel von der Reise zu erzählen.

Löwenspektakel in Kürbitz

in Kürbitz

Den ersten Abend verbrachten wir natürlich in Kürbitz, wo bereits das Löwenspektakel begonnen hatte. Ein liebevoll und perfekt organisierter Festplatz erwartete uns hier. Die Bands brachten eine super Stimmung ins Festzelt, und besonders "BiBa und die Butzemänner" würden wir im nächsten Jahr sehr gern in Kürbitz wiedersehen! Am Samstag machten wir mit schwerem Kopf erst einmal eine Stadtbesichtigung in Plauen, und nachmittags gab es Kaffee und Kuchen auf der heimischen Terrasse. Danach wurde unter wortreicher Anteilnahme der gesamten Crew das Moped einer letzten Inspektion unterzogen. Zündung und Kette wurden nachgestellt. Die Reinigung des Auspuffes stellte sich als kaum erforderlich heraus, da ich immer mit vollsynthetischem Motoröl gefahren war. ABER: Beim Nachziehen aller Schrauben kam ans Tageslicht, weshalb die SR auf den letzten Kilometern so schlecht gezogen hatte:

in Kürbitz

Ein Vergaserstehbolzen hatte sich verabschiedet und sein Gewinde abgestreift! Schnell war aber aus einer langen Schraube ein neuer Bolzen gefertigt. Nun folgte noch eine Probefahrt, bei der natürlich auch ein bravourös bestandener Test auf der Schwandter Höhe nicht fehlen durfte! Nun konnte ich endlich beruhigt das Moped in die Garage schieben, und wir nahmen die zweite Party in Kürbitz ins Visier. Dort labten wir uns kräftig am Grill und an der Gulaschkanone und gingen danach zu flüssiger Nahrung über. Die groß angekündigte Tina-Turner-Coverband haben wir allerdings lieber draußen im Biergarten mit angehört, die Dame verfehlte doch den einen oder anderen Ton. Das alles tat aber der Stimmung auf dem Gelände überhaupt keinen Abbruch, und die Nachfolgeband "Surprise" entschädigte dann mit toller Stimmung und Guter-Laune-Musik.

Rund ums SR2 Treffen

Rund ums SR2 Treffen

Und am nächsten Morgen ging es endlich los! An den vorherigen Abenden hatten wir uns schon gewundert, daß in Kürbitz gar keine SR Mopeds zu sehen waren, aber nun wurde plötzlich alles in den Schatten gestellt: Sage und schreibe 403 SR-Mopeds gingen an den Start! Das ist ein neuer Rekord! Ein unüberschaubares Meer an Mopeds hatte Kürbitz überzogen. Von total verrostet bis hochglanz-restauriert war alles vertreten. Und so wurde denn auch letzte Hand an den Fahrer mit der Nummer 282 gelegt. Die Simson hatte ich extra im hinteren Bereich eingereiht, damit ich vorn noch den Start filmen konnte.

Rund ums SR2 Treffen

Nachdem es unten losgegangen war, blieb noch genügend Zeit für den gemütlichen Weg zurück zum Moped und eine Zigarettenlänge, bevor dann auch endlich hinten Bewegung in die Massen kam. Die erste Hürde war dann auch gleich die Schwandter Höhe, an der viele Mitstreiter absteigen oder wild pedalieren mußten. Mein Moped hat den Berg sogar zum zweiten Mal mit purer Motorkraft bezwungen. Eine große Hilfe war mir dabei unser Berliner Fanblock. Und so ging es dann in einer 30 km - Tour auf kleinen Straßen über die Dörfer zurück nach Kürbitz. Endlich wieder am Ausgangspunkt angekommen, wurden alle Mopeds auf den riesigen Parkplatz geleitet. Die Fahrer konnten sich nach der Tortur mit Würsten, Steaks und Kaltgetränken stärken. Für den Nachmittag hatten die Veranstalter wie selbstverständlich auch an Kaffee und leckeren Kuchen gedacht.

Abreise vom 12.SR2-Treffen

Abreise vom 12.SR2-Treffen

Sehr nett fanden wir, daß es wirklich für jeden Teilnehmer einen Preis gab. Ob Hauptgewinn oder Trostpreis, war dabei nicht so wichtig. So verbrachten wir auch den Sonntag Nachmittag bei bestem Wetter auf dem Festgelände. An dieser Stelle soll noch einmal den Veranstaltern ein großer Dank gesagt werden! Wir haben uns gefreut, daß hier nichts dem Zufall überlassen wurde, und daß die gesamte 3-Tage-Veranstaltung sehr liebevoll und gut gelaunt durchgeführt wurde. Am nächsten Tag wurde die SR dann im Tourbus verstaut und nach Hause gefahren. Ich selbst habe zusammen mit meiner Freundin noch eine schöne Woche Fahrradurlaub im Vogtland angehängt. Wir haben uns fest vorgenommen, im nächsten Jahr wieder dabei zu sein! Euer Tom